# Bilanzierung von Zuschüssen in Rechnungsabschlüssen von öffentlichen Unternehmen

Öffentliche Einrichtungen und ausgelagerte Unternehmen der öffentlichen Hand werden in einem hohen Maße durch Investitions- und Aufwandszuschüsse finanziert. Die Rechnungslegung der Betriebe und sonstigen ausgegliederten Rechtsträger im öffentlichen Sektor hat sich - bei Vorliegen einer Unternehmereigenschaft nach UGB und Erfüllung der Kriterien für die Rechnungslegungspflicht gemäß § 189 UGB - an den allgemeinen Rechnungslegungsgrundsätzen zu orientieren. Für die Einrichtungen der Länder und Gemeinden sind ab 2019 die Bestimmungen der VRV 2015 anzuwenden. In beiden Rechnungslegungsstandards sind Regeln für die Erfassung von Zuschüssen normiert.

Ausweis im Rechnungswesen von öffentlichen Unternehmen

Der Ausweis von Investitionszuschüssen kann nach den nationalen und internationalen Rechnungslegungsvorschriften wahlweise nach der Brutto- oder der Nettomethode erfolgen:

Nach der Bruttomethode wird der erhaltene Zuschuss erfolgsneutral in einem gesonderten Passivposten nach dem Posten Eigenkapital (§ 224 Abs. 3 A UGB) ausgewiesen. Der Sonderposten hat den Charakter einer Rechnungsabgrenzung und ist nach Maßgabe der Abschreibung bzw. des Abgangs des Vermögensgegenstandes, für den der Zuschuss gewährt worden ist, ertragswirksam aufzulösen. In der Gewinn- und Verlustrechnung ist der Verbrauch des Sonderpostens entweder im Posten „Übrige sonstige betriebliche Erträge“ oder als offener Korrekturposten zu den Abschreibungen auszuweisen.

Nach der Nettomethode werden die gewährten Zuschüsse direkt von den Anschaffungs- und Herstellungskosten abgesetzt, wodurch es zu einer Kürzung der Zugänge im Anlagenspiegel und einer Verminderung der Abschreibungen kommt. Diese Methode ist zwar eine zulässige Variante, jedoch ist der Bruttomethode aus folgenden Gründen der Vorzug zu geben:

•    Die Nettomethode führt zu einer verkürzten Darstellung des Vermögens und damit verbunden zu einer Verzerrung der Aufwandsstruktur.

•    Die Bedeutung und das Erfordernis der erfolgten Finanzierungen werden durch die verkürzte Darstellung der Vermögens- und Ertragslage nicht offen gelegt.

•    Ein Vergleich mit anderen Unternehmungen gleicher Art, die keine Investitionszuschüsse erhalten haben, ist bei Anwendung der Nettomethode nur schwer möglich.

Ausweis im öffentlichen Rechnungswesen nach VRV 2015

Die Darstellung von Zuschüsse für Investitionen hat nach § 36 der VRV 2015 in einem eigenen gesonderten Posten zwischen dem Nettovermögen und dem langfristigen Fremdkapital zu erfolgen. Wie im UGB handelt es sich somit um einen besonderen Ausweis zwischen Eigen- und Fremdkapital. Diese Zuschüsse sind nach § 36 der VRV auch nach Maßgabe der Nutzungsdauer der Anlage aufzulösen.

Die Bestimmungen der VRV orientieren sich daher nicht nur an den Vorgaben internationaler Standards für öffentliche Rechnungslegung (IPSAS), sondern gehen auch mit den österreichischen Standardsetzungen des AFRAC konform. Für eine sachgerechte Bilanzierung ist es erforderlich, sämtliche Zuschüsse der öffentlichen Hand, die für Investitionen zugewendet werden, unabhängig ihrer Herkunft (europäische, Bundes- oder Landesmittel) einzeln den jeweiligen Anlagen des Anlagenverzeichnisses zuzuordnen. Ansonsten ist eine richtige Darstellung des Verbrauchs entsprechend der Abschreibung nur mit erhöhtem Aufwand möglich.

Autor:

Mag. Michael Dessulemoustier-Bovekercke
Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Geschäftsführer Moore Stephens City Treuhand
m.dessulemoustier@msct.at