10.07.2026
Was passiert, wenn vier Gemeinden ihre Bauhöfe nicht nur zusammenlegen, sondern tatsächlich gemeinsam betreiben? Im Aschachtal in Oberösterreich zeigt sich fünf Jahre nach dem Start dieser Kooperation eine klare Antwort. Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut und eröffnet Möglichkeiten, die in den bisherigen Strukturen so nicht realisierbar gewesen wären.
Von „guter Nachbarschaft“ zum gemeinsamen Wirtschaftshof
Die oberösterreichischen Gemeinden Aschach an der Donau, Hartkirchen, Pupping und Stroheim haben sich bereits im Jahr 2010 dazu entschlossen, ihre Kräfte im Bereich ihrer Wirtschaftshöfe zu bündeln, um sich gemeinsam effizient und stark für die Zukunft aufzustellen. Mit dem Vorhaben war auch die Frage eines gemeinsamen Standortes verbunden.
Am 21.9.2020 wurde schließlich der neue und gemeinsam erbaute Wirtschaftshof feierlich eröffnet. 16 Mitarbeiter*innen betreuen seither von einem Standort aus rund 90 km² Gemeindefläche, 300 Straßenkilometer und erbringen wichtige kommunale Infrastrukturleistungen für rund 10.000 Bürger*innen in dieser Region.
Ausgangspunkt war eine Situation, wie sie in vielen Gemeinden zu beobachten ist. Kleine und renovierungsbedürftige Bauhöfe mit wenigen Mitarbeitenden, begrenzte technische Ausstattung und ein breites Leistungsprogramm, das nur schwer ohne externe Unterstützung erbracht werden kann. Bereits
geringfügige Ausfälle konnten die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Besonders im Winterdienst zeigte sich die strukturelle Anfälligkeit dieser Systeme und die beteiligten Gemeinden erkannten früh, dass diese Form der Organisation langfristig an ihre Grenzen stößt.
Die Entscheidung zur Zusammenarbeit erfolgte nicht aus reinem Sparzwang, sondern aus einem strategischen Verständnis heraus. Im Zentrum stand die Sicherstellung kommunaler Leistungen unter veränderten Rahmenbedingungen. Ziel war es, Stabilität, Qualität, Effizienz und Zukunftsfähigkeit zu gewährleisten. Diese gemeinsame Zielsetzung bildet bis heute das Fundament der Zusammenarbeit.
Als politische Vertreter haben wir den Auftrag, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Bevölkerung bestmöglich versorgt wird. Wir verstehen uns dabei klar als Dienstleister für die Bürgerinnen und Bürger. Dieses Bewusstsein sollte im Zentrum politischen Handelns stehen: Wir sind für die Menschen da – nicht umgekehrt. Das ist mir ein ganz wesentliches Anliegen.
Wolfram Moshammer, BGM und Obmann Gemeindeverband WiHof Aschachtal
Effizienzgewinne durch gemeinsame Organisation und Investitionen
Die Bündelung von Personal und Ressourcen ermöglicht eine deutlich höhere Flexibilität im Betrieb. Arbeitsspitzen können besser ausgeglichen, personelle Engpässe kompensiert und Aufgaben effizient koordiniert werden. Die zentrale Einsatzplanung sorgt für transparente Abläufe und klare Zuständigkeiten. Damit wird ein Professionalisierungsschub erreicht, der in kleinteiligen Strukturen oft nur eingeschränkt möglich ist. Für die Mitarbeitenden
bedeutet das mehr Übersicht im Arbeitsalltag und für die Gemeinden eine verlässliche Leistungserbringung.
Hervorzuheben ist, dass der Zusammenschluss zu einem Wirtschaftshof nicht mit einem Ausbau der Verwaltung einherging. Der Wirtschaftshof nutzt bestehende Strukturen der beteiligten Gemeinden in den Bereichen Sitzungsmanagement, Buchhaltung und Personalverrechnung und hält damit seine Organisation bewusst schlank. Diese Kombination aus operativer Größe und administrativer Zurückhaltung trägt wesentlich zur Effizienz des Modells bei. Diese Balance zwischen Struktur und Praxisnähe ist ein wesentlicher Bestandteil des Erfolgs. Ein weiterer Vorteil der Kooperation zeigt sich im Bereich der Investitionen. Fahrzeuge und Geräte können gemeinsam angeschafft und besser ausgelastet werden. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Modernisierung des Fuhrparks und verbessert die technische Leistungsfähigkeit. Gerade unter angespannten finanziellen Rahmenbedingungen eröffnet dies Handlungsspielräume, die einzelnen Gemeinden oft nicht zur Verfügung stehen.
Kooperation ist kein Verlust von Selbstständigkeit, sondern ein Gewinn an Handlungsfähigkeit.
Vertrauen als tragende Basis
Ein zentraler Faktor für das Gelingen dieser Kooperation ist das schon seit jeher gelebte Vertrauen und bestehende Kooperationen zwischen den beteiligten Gemeinden. Schon in der Anfangsphase wurde sichtbar, dass das Gemeinsame im Vordergrund steht. Geräte und Ausstattungen wurden in den
neuen Betrieb eingebracht und als gemeinsame Investition in die Zukunft verstanden. Diese Haltung prägt die Zusammenarbeit bis heute und sorgt für Stabilität.
Ergänzt wird dieses Vertrauen durch klare Regelungen hinsichtlich Zuständigkeiten, Entscheidungsprozessen und klaren Zugriffsregelungen auf den gemeinsamen Wirtschaftshof. Ein gemeinsames Auftragswesen stellt sicher, dass die Gemeinden rasch vom gemeinsamen Wirtschaftshof serviciert werden
und die eingehenden Aufträge strukturiert abgearbeitet werden können.
Auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren von Beginn an ein wichtiger Teil des Prozesses. Ihre Erfahrungen wurden eingebracht und die Umstellung aktiv begleitet. Anfangs bedeutete das Veränderungen im Arbeitsalltag, etwa im Hinblick auf gemeindeübergreifende Einsätze. Mittlerweile hat sich
diese Form der Zusammenarbeit etabliert und trägt zur Stärkung des gesamten Systems bei. Heute ist genau diese Flexibilität ein zentraler Vorteil und stärkt das gemeinsame Arbeiten.
Zwischenbilanz nach fünf Jahren im Echtbetrieb
Der Wirtschaftshof Aschachtal hat sich in der Praxis bewährt. Die Zusammenarbeit funktioniert bestens, die Abläufe sind eingespielt und die Vorteile sind im Alltag spürbar. Entscheidend ist dabei weniger die Struktur an sich, sondern die Art, wie sie gelebt wird. Dort, wo Gemeinden bereit sind, Verantwortung zu teilen und gemeinsam zu handeln, entstehen Lösungen, die langfristig tragen, womit Kosten, Nutzen und Qualität für alle Beteiligten optimiert werden können.