Ein Online-Handbuch für den öffentlichen Sektor - Online-Buchhaltungs- und Bilanzierungshandbuch (OBHBH) soll in den nächsten Monaten Österreichs Städten und Gemeinden zur Verfügung stehen

In den Finanzverwaltungen von Österreichs Städten und Gemeinden läuft der Betrieb auf Hochtouren. Mit der Voranschlags- und Rechnungsabschlussverordnung 2015 wurden den Gebietskörperschaften neue Vorgaben für die Erstellung des Voranschlags sowie auch des Rechnungsabschlusses auferlegt. Derzeit läuft die Voranschlagserstellung intensiv.

Grundlage dieser neuen Vorgaben ist der Drei-Komponenten-Haushalt, bestehend aus Ergebnis-, Finanzierungs- und Vermögenshaushalt.

Die neue Struktur orientiert sich an den Rechenwerken Gewinn- und Verlustrechnung, Cashflow-Rechnung sowie Bilanz, welche aus der Privatwirtschaft bekannt sind. Der Vermögenshaushalt als wesentlicher neuer Bestandteil des Rechnungswesens ist eine Stichtagsbetrachtung des Vermögens und der Schulden.

Die neuen Vorgaben bedeuten umfassende Umstellungsarbeiten in Hinblick auf die korrekte Darstellung des Vermögens und der Finanzierungspositionen zum Stichtag. Städte und Gemeinden müssen sich nun erstmals intensiv mit Fragen der Bilanzierung auseinandersetzen. Wenngleich einige Bestandteile des Vermögenshaushalts auch bislang erfasst wurden – zu nennen sind hier Finanzschulden, Rücklagen, Beteiligungen, in einigen Gemeinden sogar das Sachanlagevermögen – so mussten doch nicht sämtliche der Gemeinde zuzurechnende Positionen aufgenommen werden.

Bestandteile des neuen öffentlichen Rechnungswesens, KDZ 2019. Quelle: KDZ 2019

Der Vermögenshaushalt wird erstmalig als Eröffnungsbilanz zum 1.1.2020 und dann jährlich zum Stichtag 31.12. erstellt. Daraus folgt, dass jährlich eine Darstellung der Positionen erfolgt und gegebenenfalls eine Neubewertung bzw. Folgebewertung vorgenommen werden muss. Befindet sich also ein Schulgebäude im Eigentum der Gemeinde, so muss dieses anhand der planmäßigen Abschreibung jährlich wertgemindert werden. Der bilanzielle Wert des Schulgebäudes sinkt jährlich im Einklang mit dem Wertverlust durch die Abnutzung. Während der hier dargestellte Fall relativ einfach zu lösen ist

und auch in der Finanzsoftware automatisch gesteuert werden kann, ergeben sich auch komplexere Bewertungsfragen.

Wie zum Beispiel wird mit Zahlungsverpflichtungen in der Zukunft umgegangen, welche rechtlich verbindlich eingegangen wurden? Gerade im öffentlichen Sektor kommt es oftmals zu solchen Konstellationen, wenn Förderungen für einen Zeitraum in der Zukunft zugesagt werden. Oder wie ist mit Finanzinstrumenten und Beteiligungen um zugehen? Schwierigkeiten können sich auch beispielsweise bei der Bewertung von Tieren in landwirtschaftlichen Betrieben ergeben.

Bereits seit dem Jahr 2018 wird österreichischen Gebietskörperschaften in Ergänzung zum bewährten Kontierungsleitfaden in Printform zusätzlich auch der Online-Kontierungsleitfaden zur Verfügung gestellt. Der Online-Kontierungsleitfaden bietet die Ansatz- und Kontenbeschreibungen in Kombination mit einer Onlinesuchfunktion, welche die Suche nach Stichworten vereinfacht.

Um Städte und Gemeinden nicht nur in Fragen der Kontierung zu unterstützen, wird seit Frühjahr 2018 nun auch an einem Online-Buchhaltungs- und Bilanzierungshandbuch (kurz: OBHBH) gearbeitet. Das OBHBH wird unter Federführung des Finanzministeriums gebietskörperschaftsübergreifend erstellt, was bedeutet, dass Themenstellungen in Kleingruppen bestehend aus VertreterInnen von Bund, Ländern und Gemeinden bearbeitet werden. Durch diese Konstellation wird sichergestellt, dass auch die Spezialitäten der einzelnen Gebietskörperschaftsebenen berücksichtigt werden.

Ziel ist es, möglichst einheitliche Ergebnisse der Verrechnung und Bilanzierung zu erreichen, ohne den genauen Verrechnungsweg vorzugeben. Zusätzlich sollen Best Practice-Beispiele eine Hilfestellung bieten. Das OBHBH wird jedenfalls Empfehlungscharakter haben und muss nicht befolgt werden, wenngleich ein Heranziehen der Empfehlungen gerade für die Abschlussarbeiten sinnvoll ist.

Das OBHBH soll je nach Projektfortschritt Ende 2019 bzw. im Frühjahr 2020 für Gebietskörperschaften zur Verfügung stehen. Städte und Gemeinden erhalten den Zugang kostenlos. So ist sichergestellt, dass auch die komplexesten Fach- und Bewertungsfragen gelöst werden können.

Jahr: 
2019