Offene Daten in Zeiten der Corona-Krise - Ein Mangel an offenen Daten wird deutlich.

Die Corona-Krise stellt unsere Gesellschaft im Allgemeinen und den öffentlichen Sektor im Speziellen vor besondere Herausforderungen. An diesem aktuellen Anwendungsfall wird deutlich, wie wichtig offene Daten für die Bewältigung von Krisen sind.​         

Dabei geht es um mehr als nur die (teilweise zwischen Innen- und Gesundheitsministerium abweichenden) Fallzahlen der Infektionen. Forscher bemängeln in einem Gastkommentar einen grundlegenden Mangel an Daten.1 Dieser wurde spätestens dann sichtbar, als bekannt wurde, dass in Österreich niemand weiß, wie viele Intensivbetten und Beatmungsgeräte verfügbar sind.

Die gute Nachricht ist aber, dass die Bundesregierung auf den öffentlichen Druck reagiert hat. Das amtliche Dashboard https://info.gesundheitsministerium.at/ wurde nicht nur im Laufe der Zeit überarbeitet, sondern dort wurden am 15. April auch die verfügbaren Daten als offene Daten veröffentlicht. Nicht einmal 10 Tage nach Veröffentlichung wurden diese Zahlen bereits in 10 Anwendungen verwendet, wie das österreichische OGDPortal data.gv.at dokumentiert.3 Auch das zeigt das Potenzial in frei verfügbaren und weiterverwendbaren Daten.   

Neben der Frage der Datenverfügbarkeit für die Wissenschaft geht es aber auch um die Nachvollziehbarkeit der Maßnahmen für die Bevölkerung generell. Hier helfen offene Daten JournalistInnen oder auch direkt einzelnen Personen, die mit einem Zugang zu den verwendeten Daten diese näher analysieren können.

Auch im internationalen Vergleich hinkt Österreich im Datenmanagement hinterher. Zwar gibt es mit dem EMS (Epidemiologisches Meldesystem4) wenigstens ein digitales Meldesystem, während in Deutschland an mancher Stelle auch im Jahr 2020 noch Fax als Übermittlungsverfahren genutzt wird6, aber viele Länder sind sowohl in der Frage der offenen Daten als auch in der Frage des Datenzugangs für die Wissenschaft wesentlich weiter. 

Was also tun?

Im Wesentlichen sind drei Schritte nötig, um offene Daten anbieten zu können:

  1. Die Vergabe einer offenen Lizenz, hier gilt CC-BY in Österreich als Standard.
  2. Die Bereitstellung in maschinenlesbaren Formaten, hier hat sich CSV als Mindeststandard etabliert.
  3. Die Beschreibung der Daten mit Metadaten, damit die Daten auffindbar und verständlich werden.

Im Detail ist dies im Leitfaden für offene Daten beschrieben.7    

Im Grunde ist es tatsächlich so einfach. Die Schwierigkeit besteht eher darin, diese Prozesse zu automatisieren, insbesondere also die Ausgabe der Daten aus Fachanwendungen, Registern oder Datenbanken inklusive der Metadaten zu ermöglichen, ohne dass händisch eingegriffen werden muss. Doch dieser Zielzustand soll nicht davon abhalten, zunächst rasch erste Daten manuell verfügbar zu machen.

Die Datenverfügbarkeit als offene Daten hat noch einen weiteren Aspekt. Weltweit formieren sich Freiwillige, um in „Hackathons“ gemeinsam Lösungen zu entwickeln. In Österreich fand von 27. bis 29 März der Hackathon „Hack the Crisis“ statt, bei dem über 500 TeilnehmerInnen in mehr als 40 „Challenges“, über 50 Projekte gestartet haben.8 Das Siegerprojekt hat beispielsweise ein Empfehlungssystem entwickelt, das in die Apps öffentlicher Verkehrsanbieter integriert werden kann und Passagiere so in Züge verteilt, dass genügend Abstand gehalten werden kann.9

Die Innovationsfreude und Bereitschaft zum freiwilligen Engagement sind bei solchen Veranstaltungen bemerkenswert. Je mehr offene Daten für solche Initiativen zur Verfügung stehen, umso größer wird das Potenzial für die Projekte sein. Bei solchen Initiativen steht der öffentliche Sektor nicht nur als Datenlieferant zur Verfügung, sondern auch als Ideengeber (Ausrufung von „Challenges“, also Problemstellungen, die in Projekten behandelt werden sollen).