Wohnen für alle gewährleisten - Leistbares Wohnen ist mehr wert!

Obwohl Wohnen zu den Grundbedürfnissen  der Menschen zählt, wird es immer mehr zu  einem Luxusgut. Miet- und Grundstückspreise  steigen, Vorsorgewohnungen boomen,  Airbnb-Vermietungen nehmen zu – auch in  Österreich. Dies stellt Städte und Gemeinden  vor immer größere Herausforderungen. 

Wohnen ist der höchste Ausgabenposten der  Europäerinnen und Europäer – beinahe ein  Viertel der Haushaltskosten entfallen auf den  Bereich Wohnen und beinahe 60 Millionen  Menschen in der EU können sich das Wohnen  gar nicht mehr leisten. Langsam beginnt  sich Widerstand zu formieren, immer mehr  EU-Bürgerinnen und Bürger wollen sich mit  ihrer oft prekären Wohnsituation nicht mehr  abfinden. So gingen Anfang April zehntausende  Berlinerinnen und Berliner auf die  Straße, um für bezahlbaren Wohnraum und  gegen steigende Mieten zu demonstrieren. 

Auch in Österreich verschlechtert sich die  Leistbarkeit des Wohnens: durchschnittlich  21 Prozent des Einkommens müssen die  Österreicherinnen und Österreicher für  Wohnen  aufbringen und bei Haushalten, die  60 Prozent und weniger als der Durchschnitt  in Österreich verdienen, sind es mittlerweile  40 Prozent, Tendenz steigend. Hier bedarf  es öffentlicher Interventionen, um dieser  Entwicklung  entgegenzuwirken.

Leistbares Wohnen erfordert  öffentliches Handeln

Voraussetzung für einen stabilen Wohnungsmarkt  mit ausreichend leistbarem und qualitätsvollem  Wohnraum bedeutet ziel- und  wirkungsorientierte  Wohnungspolitik zu  betreiben und an mehreren Stellschrauben  zu drehen. Dies beinhaltet neben der Wohnbauförderung  auch bodenpolitische Instrumente  oder die Mietenregulierung, um nur  einige zu nennen. Ausgewählte Aspekte  wollen  wir hier kurz aufgreifen. 

Sozialen Wohnbau forcieren  und Mieten stabilisieren

Ein zentrales Element der Wohnungspolitik  bildet der soziale Wohnbau. Das Wiener  Modell mit einem sehr starken sozialen  Wohnungssegment  – mehr als die Hälfte der  Wienerinnen und Wiener leben in einer  geförderten  oder einer Gemeindewohnung –  gilt nicht nur in Europa als vorbildhaft. So  konnten in Wien dem freien (Miet-)Wohnungsmarkt  durch den Gemeindebau, die  gemeinnützigen Bauträger sowie die Mietregulierung  im Altbau beinahe 64 Prozent des  Gesamtbestands entzogen werden, wodurch  das Mietniveau  stark gedämpft werden  konnte.

Wohnungsverfügbarkeit erhöhen

Preistreiber am Immobilien- und Mietensektor  ist immer auch der Mangel an Wohnraum.  Größere Städte und Stadtregionen sind aufgrund  stetigen Zuzugs besonders betroffen.  Zu wenig verfügbarer leistbarer Wohnraum  bedeutet schlimmstenfalls Obdachlosigkeit.  Mit Ausnahme von Finnland ist die Obdachlosenrate  im letzten Jahrzehnt in ganz  Europa  angestiegen. Auch Österreich verzeichnete  eine Steigerung von 28 Prozent.  Wohnraumentzug durch Vorsorgewohnungen  und Kurzzeitvermietungen über Online-Plattformen  führen zu einer weiteren Verknappung  des Angebots. Die Stadt Linz versucht hier  über die sogenannte Ferienwohnpauschale  zumindest einige der geschätzten 6.000 leerstehenden  Wohnungen wieder auf den Markt  zu bringen. Darüber hinaus können ein  kommunales  Leerstandsmanagement oder  auch Maßnahmen zur Förderung der  Wohnungsmobilität  wie etwa lebensphasengerechtes  Wohnen die Wohnungsverfügbarkeit  erhöhen.

Boden für sozialen Wohnbau auch  (stadt)regional sichern

Ein zunehmend limitierender Faktor für den  Neubau leistbarer Wohnungen in Städten  ist die Verfügbarkeit geeigneter Flächen. In  einigen  Bundesländern werden im Zuge der  örtlichen Raumordnung in den Flächenwid-  mungsplänen Vorbehaltsflächen  für den gemeinnützigen Wohnbau  festgelegt bzw. reserviert.  Weiters wird das Instrument der  Vertragsraumordnung (z. B. Verwendungs-  und Nutzungsverträge  etc.) genutzt, um die  Bodenverfügbarkeit zu erhöhen.  Wohnbau muss von den Kommunen  verstärkt auch (stadt)regional  gedacht und die überörtlichen  Gegebenheiten und Entwicklungen  in den eigenen Planungen  berücksichtigt werden. 

Der gesellschaftliche Mehrwert  leistbaren Wohnens

Die Österreichischen Städte und Gemeinden  sind wesentliche Akteurinnen am Wohnungsmarkt  und haben im Zusammenspiel mit  Bund, Ländern und der Wohnungswirtschaft  eine zentrale Bedeutung für die Schaffung  und Sicherung leistbaren Wohnens. Dabei  geht es immer auch um eine ganzheitliche  Sichtweise, um Transparenz und Partizipation.  Oder anders gesagt: den gesellschaftlichen  Mehrwert leistbaren Wohnens verstärkt  sichtbar und steuerbar zu machen, bedeutet  Wohnen für alle auch mit Blick auf die zukünftigen  Generationen. Damit würde nicht nur  dem EU-Aktionsplan für leistbares Wohnen in  Europa Rechnung getragen, sondern auch  wesentlich zu den UN-Nachhaltigkeitszielen  beigetragen werden. Der Public Value-Ansatz  könnte hier ein probates Instrument darstellen.