Stadt Land
Europäische Governance und Städtepolitik | Blog

Stadt-Land-Krimi

Das Spannungsverhältnis zwischen Stadt und Land ist eine unendliche Geschichte, so könnte man meinen. Weil der Plot aufregend bleibt, der Ausgang ungewiss ist und die Lösung jedenfalls Spürsinn und Fingerspitzengefühl erfordert, scheint es im Krimi-Genre wohl besser aufgehoben zu sein, zumal die Aussicht auf „Fall abgeschlossen“ hier a priori nicht ausgeschlossen wird. Wie brisant das Thema funktionierender Stadt-Land-Beziehungen ist, belegt eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Cambridge1.

Britische Forscher*innen haben anhand von Werteinstellungen in 30 europäischen Ländern festgestellt, dass die Spaltung zwischen Stadt und Land zunehmend größer wird. Besonders stark ist sie in Westeuropa – auch in Österreich. Dementsprechend unterstreichen die Forscher*innen, wie wichtig eine genauere Kenntnis der Kluft zwischen Stadt und Land für künftige ortsbezogene und ortssensible politische Maßnahmen ist. Dabei gehe es nicht allein darum, Arbeitsplätze „auf dem Land“ zu schaffen und Einkommen zu erhöhen, sondern vielmehr Mängel in der Gesundheitsversorgung und anderen öffentlichen Dienstleistungen zu beheben. Denn es sind nicht die ärmsten Landregionen, wo die politische Unzufriedenheit am größten ist, so die Forscher*innen.

Auch wir im KDZ haben uns 2021 intensiv mit Stadt-Land-Beziehungen beschäftigt. So haben wir unter anderem im Rahmen unseres EU-Forschungsprojektes LoGov – Local Governments and the Changing Urban-Rural Interplay (www.logov-rise.eu ) gemeinsam mit österreichischen Expert*innen und Praktiker*innen den Länderbericht für Österreich finalisiert. Insgesamt umfassen die kürzlich publizierten Länderdossiers des internationalen und interdisziplinären LoGov-Forschungsnetzwerkes fünf Kontinente, 16 Länder und 174 Beispiele, die sich den kommunalen Herausforderungen und Potenzialen im sich stetig verändernden Zusammenspiel zwischen Stadt und Land vor allem aufgrund demografischer Dynamiken widmen. Diese Beispiele werden nun in einem zweiten Schritt verglichen. Am Ende des Projektes 2024 sollen Best-Fit-Praktiken für sowohl städtische als auch ländliche Kommunalverwaltungen in aller Welt stehen, um aktuelle, aber auch zukünftige Problemstellungen besser zu bewältigen und ein stärkeres Miteinander zu fördern.

Und hierzulande? Was werden die Umsetzungspartnerschaften des ÖREK 2030 für Österreichs Stadtregionen bringen oder der für Herbst 2022 angekündigte Bodenschutzvertrag zwischen Bund, Ländern und Gemeinden, um Flächenverbrauch und Zersiedelung entgegenzuwirken? Es bleibt also spannend.

Diskutieren Sie mit uns!

Am 7.4. sind die angesprochenen Länderberichte zur Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land Thema bei KDZ im Dialog.

Weitere Informationen zur Teilnahme und Anmeldung finden Sie hier.

KDZ in dialogue - Local Government Worldwide - Responses to Urban-Rural Challenges.
KDZ in dialogue - Local Government Worldwide - Responses to Urban-Rural Challenges.

 

 

 

 

 

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1 Michael Kenny, Davide Luca: “The urban-rural polarisation of political disenchantment: an investigation of social and political attitudes in 30 European countries.” In: Cambridge Journal of Regions, Economy and Society, Volume 14, Issue 3, November 2021, Pages 565–582, https://doi.org/10.1093/cjres/rsab012.

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