Die finanzielle Lage der Städte und Gemeinden in Österreich ist seit Jahren von steigenden Ausgaben, sinkenden Spielräumen und wachsenden Konsolidierungsanforderungen geprägt. Vor diesem Hintergrund stellt sich daher die Frage, wie Handlungsspielräume trotz knapper Budgets erhalten werden können.
Eine vom Österreichischen Städtebund beauftragte und vom KDZ erstellte Studie zeigt unter Einbeziehung qualitativer und quantitativer Ansätze wie Städte unter schwierigen Bedingungen strategisch konsolidieren können und liefert praxisnahe Anregungen für neue Wege.
Was Städte aus ihren Konsolidierungsprozessen gelernt haben
Die Analyse der interviewten Städte macht deutlich, dass es keine universell gültigen Patentrezepte für die Haushaltskonsolidierung gibt. Zu unterschiedlich sind die lokalen Rahmenbedingungen, politischen Kulturen und Ressourcen. Dennoch lassen sich Gestaltungsprinzipien erkennen, die sich als besonders wirksam erweisen. Dazu zählen ein klares Zielbild, eine transparente Kommunikation, die frühzeitige Einbindung zentraler Akteurinnen und Akteuren und die strategische Verankerung der Konsolidierung als dauerhafte Steuerungsaufgabe.
Die Praxis in den befragten Städten zeigt, wie diese Gestaltungsprinzipien konkret umgesetzt wurden. Wiener Neustadt hob die Bedeutung klarer Verantwortlichkeiten und eines sachlich geführten politischen Dialogs hervor. Wels setzte auf früh festgelegte Zielwerte, bleibt aber offen für alternative Wege und denkt in Szenarien. Villach wiederum betont dialogische Verfahren, lehnt pauschale Kürzungen ab und fördert die Weiterqualifizierung der Mitarbeitenden. In Bruck an der Mur sichern externe Prozessbegleitung, laufendes Monitoring und offene Kommunikation die notwendige Akzeptanz. Trofaiach schließlich zeigt, wie eine respektvolle Einbindung aller politischen Kräfte sowie der Verwaltung den Zusammenhalt stärkt und schwierige Maßnahmen umsetzbar macht. Die Beispiele verdeutlichen, dass erfolgreiche Konsolidierung ein Zusammenspiel aus Strategie, Vertrauen und Kommunikation ist.
Aus diesen Erfahrungen lassen sich zentrale Empfehlungen ableiten. Am Anfang steht eine ehrliche Bestandsaufnahme der Haushaltslage als Basis realistischer Ziele. Entscheidend sind politische Rückendeckung, eindeutig zugeordnete Verantwortlichkeiten und ein kontinuierliches Monitoring. Nachhaltig wirkt ein ausgewogener Mix aus Einmaleffekten und strukturellen Reformen, begleitet von transparenter Kommunikation nach innen und außen. Langfristige Stabilität erfordert zudem den Mut zu unpopulären Entscheidungen, das kritische Hinterfragen gewachsener Strukturen und einen ebenso konsequenten Blick auf die Einnahmenseite.
Damit wird deutlich, dass erfolgreiche Konsolidierung weniger auf standardisierten Lösungen beruht als auf einer Kombination aus klarer Strategie, politischem Rückhalt und einem offenen, partizipativen Prozess.
Neue Wege kommunaler Zusammenarbeit
Während Konsolidierungsstrategien langfristig wirken, zeigen innovative Projekte, wie Städte und Kommunen auch kurzfristig neue Spielräume gewinnen können. In vielen Gemeinden und Städten entstehen Modelle, die über klassische Sparmaßnahmen hinausgehen und durch Kooperation, Digitalisierung oder Bürgerbeteiligung neue Perspektiven eröffnen.
Im Bezirk Lienz zeigte sich die Herausforderung, ausreichend ganztägige Betreuungsplätze für Kinder ab zwei Jahren bereitzustellen. Das Land Tirol setzte daher auf flexible Modelle und richtete in den Planungsverbänden Koordinierungsstellen ein, die Angebote gemeindeübergreifend abstimmen. Ergänzt wurde dies durch eine digitale Anmeldeplattform, die Transparenz schafft und Verwaltungsaufwand reduziert.
Im Vorarlberger Vorderland bündelten zwölf Gemeinden ihre Baurechtsverwaltung in Sulz, um fehlendes Fachpersonal zu ersetzen und Verfahren zu professionalisieren. Die Finanzierung erfolgt nach Einwohnerzahl, der Nutzen liegt in Effizienz, Qualität und politischer Akzeptanz. In Groß Gerungs übernahm ein Verein den Betrieb des Hallenbads samt Sauna. Durch ehrenamtliches Engagement konnten Organisation und Betreuung gesichert werden, finanziert über Beiträge und Eintrittsgelder. Das Modell zeigt, wie bürgerschaftliches Engagement Einrichtungen auch in strukturschwachen Regionen erhalten kann.
Konsolidierung im Spannungsfeld von Möglichkeiten und Grenzen
Die Beispiele machen sichtbar, dass finanzielle Herausforderungen auch Chancen eröffnen, neue Wege zu beschreiten. Sie zeigen, wie Kooperation zwischen Gemeinden, innovative Finanzierungsmodelle, digitale Werkzeuge und bürgerschaftliches Engagement wesentliche Bausteine für zukunftsfähige kommunale Leistungen sind. Ganzheitliche Konsolidierungsstrategien schaffen Stabilität, während innovative Projekte zusätzliche Handlungsspielräume eröffnen. Die Beispiele sind jedoch keine Patentrezepte, sondern Anregungen, die zeigen, wo Chancen liegen. Viele Gemeinden und Städte werden dennoch zusätzliche Unterstützung benötigen, denn Konsolidierung hat ihre Grenzen.