Presseaussendung

Städtebund/KDZ: Gemeinden bleiben verlässlich – auch unter finanziellen Druck

Städtebund/KDZ: Gemeinden bleiben verlässlich – auch unter finanziellen Druck

Utl.: Gemeindefinanzbericht 2026: Spielräume sinken, Reformbedarf steigt

Wien, 14.4.2026 – Der Gemeindefinanzbericht 2026 des KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung im Auftrag des Österreichischen Städtebundes analysiert die Entwicklung der Gemeindefinanzen im Zeitraum 2015 bis 2024 und zeigt eine weiterhin angespannte finanzielle Lage der österreichischen Städte und Gemeinden. Gleichzeitig legt der Bericht einen besonderen Fokus auf Gemeindestrukturreformen und analysiert in einem eigenen Schwerpunktkapitel die Gemeindefusionen in der Steiermark.

Finanzielle Spielräume weiter gesunken

Die finanzielle Situation der Gemeinden hat sich 2024 weiter verschlechtert. Der operative Überschuss sank auf einen historischen Tiefstand. Gut erkennbar ist dies an der Öffentlichen Sparquote, welche anzeigt, in welchem Ausmaß Mittel aus der operativen Gebarung verbleiben. In den Vorkrisenjahren hat dieser Wert recht konstant bei 12 Prozent gelegen. 2024 liegt der Wert nur mehr bei 6,1 Prozent, das ist sogar niedriger als im Pandemiejahr 2020 mit 8,1 Prozent. Damit fehlen zunehmend Mittel für Investitionen und Schuldentilgung.

Hauptursache ist die wachsende Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben: Während Einnahmen nur moderat steigen (Ertragsanteile +34% 2020-2024, eigene Abgaben und Gebühren +27%), wachsen Personal- (+36%), Transfer- (+35%) und Sachausgaben (+29%) deutlich stärker. Sparmaßnahmen und Zahlungen an die Ländern konnten die Entwicklung nur abmildern. Die Folge sind steigende Verschuldung und mehr Gemeinden, die ihre laufenden Ausgaben nicht mehr selbst decken können. 

2025 Verringerung des Defizits der Gemeinden ohne Wien 

Mit 2025 konnten Städte und Gemeinden ohne Wien das öffentliche Defizit gegenüber 2024 um 24 Prozent reduzieren. Wie weit dies auf Sparmaßnahmen im operativen Bereich oder auf ein Zurückfahren von Investitionen zurückzuführen ist, muss noch näher betrachtet werden. 

Gemeindefusionen: Effizienzgewinne sichtbar – Rahmenbedingungen bremsen Wirkung

Ein Schwerpunktkapitel zu den Gemeindefusionen in der Steiermark zeigt, dass fusionierte Gemeinden Effizienzpotenziale heben konnten. Im Vergleich zu Nicht-Fusionsgemeinden fällt die Kostenentwicklung – vor allem bei den Sachausgaben – geringer aus. Gleichzeitig wird deutlich, dass das bestehende Fördersystem des Landes Steiermark nicht ausreichend an die veränderten Gemeindestrukturen angepasst wurde. Karoline Mitterer, Studienautorin im KDZ führt dazu aus: „Fusionen senken zwar Kosten, verbessern aber nicht automatisch die Finanzlage. Um Effizienzgewinne aufrecht zu erhalten, sollten die strukturellen Schwächen im Transfersystem angepasst werden und damit bessere Anreize für Fusionen geschaffen werden.“ 

Der Bericht zeigt hinsichtlich der Treffsicherheit der Gemeindefusionen und zu den Veränderungen im Leistungsangebot seit den Fusionen weiteren Analysebedarf. Klar ist: Gemeindefusionen können einen wichtigen Beitrag leisten, entfalten ihr volles Potenzial jedoch nur bei passenden Rahmenbedingungen. Dafür braucht es ein Transfersystem, das Effizienz dauerhaft belohnt und Rahmenbedingungen, die freiwillige Fusionen erleichtern.

Gemeinden halten Leistungen trotz Druck aufrecht – erste Einschnitte sichtbar

Trotz des Drucks sichern Städte und Gemeinden weiterhin zentrale Leistungen des gesellschaftlichen Miteinanders – von Kinderbetreuung und Pflichtschulen, über die Ver- und Entsorgung bis zu Kultur- und Freizeiteinrichtungen. Gleichzeitig kommt es bereits zu spürbaren Einschränkungen: Schließungen von Eislaufplätzen oder Freibädern, reduzierte Öffnungszeiten oder der Verkauf von Gemeindewohnungen in mehreren Gemeinden zeigen, dass Konsolidierung zunehmend auch für die Bevölkerung spürbar ist.

Strukturreformen und faire Rahmenbedingungen entscheidend

Die Stabilisierung der Gemeindefinanzen kann nicht allein durch Einsparungen auf kommunaler Ebene gelingen. Neben Konsolidierungsmaßnahmen der Gemeinden braucht es vor allem strukturelle Verbesserungen der Rahmenbedingungen, welche jedoch erst mittelfristig wirken. Bis diese greifen können, sind kurzfristige Unterstützungsmaßnahmen des Bundes zweckmäßig, um einen ungewollten Abbau der kommunalen Daseinsvorsorge zu vermeiden. 

Zentrale Ansatzpunkte für mittelfristige Reformen sind:

  • Reform der Grundsteuer

  • Weiterentwicklung der Transfersysteme zwischen Ländern und Gemeinden

  • Geeignete Rahmenbedingungen für Kooperationen und freiwillige Fusionen

  • Verbesserung der vertikalen Verteilung im Rahmen des FAG zu Gunsten von Städten und Gemeinden

Appell an Bund und Länder

Städte und Gemeinden leisten unter schwierigen Rahmenbedingungen einen wesentlichen Beitrag zur Lebensqualität in Österreich. Damit dies auch künftig möglich ist, braucht es rasch wirksame Reformen.

„Städte und Gemeinden machen ihre Hausaufgaben und setzen Maßnahmen zur Konsolidierung. Gleichzeitig braucht es aber faire und zukunftsfitte Rahmenbedingungen. Nur so können Städte und Gemeinden ihre Aufgaben weiterhin zuverlässig erfüllen“, so Thomas Weninger, Generalsekretär des Österreichischen Städtebundes abschließend.

Der vollständige Bericht steht unter https://www.kdz.eu/de/aktuelles/blog/gemeindefinanzbericht-2026-sinkende-spielraeume-steigender-reformbedarf zum Download zur Verfügung.

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Mag. Thomas Wolfsberger | Finanzdirektor der Stadt St. Pölten
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