14.04.2026
Mit dem Jahr 2024 liegen nun zehn Finanzjahre seit Umsetzung der Gemeindefusionen in der Steiermark vor. In Summe zeigen sich Effizienzsteigerungen bei den Fusionsgemeinden im Bereich der Sachausgaben. Einsparungen bei den Personalausgaben sind noch nicht sichtbar. Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass sich die Transferzahlungen vom Land Steiermark an fusionierte Gemeinden deutlich schwächer entwickelt haben als an nicht fusionierte Gemeinden. Das Transfersystem dürfte daher noch nicht ausreichend auf die veränderte Gemeindestruktur in der Steiermark angepasst worden sein. Für eine bessere Einschätzung wären nun vertiefende Analysen notwendig.
Im Gemeindefinanzbericht 2026 wurde den Gemeindefusionen in der Steiermark ein eigenes Schwerpunktkapitel gewidmet. Hintergrund ist, dass nun zehn Finanzjahre seit der Umsetzung der Reform vorliegen und damit Aussagen zu nachhaltigen finanziellen Effekten möglich sind. Es muss betont werden, dass es sich hier um eine Kurzanalyse handelt. Vertiefende Untersuchungen sind jedoch weiterhin ausständig. Dies betrifft insbesondere Studien zur Treffsicherheit der Fusionen und zum Zusammenwirken von Finanzen und Leistungsentwicklung.
Effizienzgewinne durch Fusionen erkennbar
Eine Analyse zentraler Finanzkennzahlen der steirischen Gemeinden zeigt eine grundsätzlich positive Entwicklung bei Fusionsgemeinden. Im Vergleich zu Nicht-Fusionsgemeinden fällt die Kostenentwicklung insgesamt geringer aus, was insbesondere auf unterschiedliche Entwicklungen bei den Sachausgaben zurückzuführen ist (Abbildung 1). Dies ist ein Indiz dafür, dass in Fusionsgemeinden Infrastrukturen zusammengelegt wurden oder etwa bisher ausgelagerte Leistungen nun vom Gemeindepersonal selbst erledigt werden (z.B. Schneeräumung).
Anmerkung: Dargestellt sind die auf MVAG 322 gebuchten Auszahlungen aller Aufgabenbereiche.
Bei den Personalausgaben zeigen sich hingegen noch keine gesamtheitlichen Einsparungen. Dies dürfte auch darauf zurückzuführen sein, dass Anpassungen im Personalbereich zeitverzögert wirken, da häufig „natürliche Abgänge“ abgewartet werden. Allerdings lässt sich bei den Fusionsgemeinden mit mehr als 10.000 Einwohnerinnen und Einwohnern ein deutlich langsamerer Wachstumstrend der Personalauszahlungen ausmachen, was auf ein entsprechendes Potenzial auch im Personalbereich hindeutet.
Zudem gibt es Hinweise auf ein teilweises Anheben von Leistungsniveaus im Zuge der Fusionen. So kam es – etwa in der Kinderbetreuung –tendenziell zu einer Angleichung nach oben, indem sich Angebote an den höheren Standard anderer Ortsteile orientierten.
Transfersystem konterkariert Wirkung der Fusionen
Gleichzeitig zeigt die Analyse ein wesentliches strukturelles Problem: Das bestehende Fördersystem des Landes dürfte nicht ausreichend an die neue Gemeindestruktur angepasst worden sein. So besteht eine deutlich schwächere Dynamik bei den Transfers des Landes an die Gemeinden in Fusionsgemeinden als in Nicht-Fusionsgemeinden. Dies zeigt sich sowohl bei den laufenden als auch bei investiven Transfers. Wer also den Fusionsprozess durchlaufen hat, erhält heute im Pro-Kopf-Vergleich deutlich weniger Transfers als vor der Fusion.
In Summe wurden das Weniger an Transfers durch die Kosteneinsparungen (noch) nicht gänzlich ausgeglichen, sodass sich der Saldo der operativen Gebarung in den Fusionsgemeinden im Vergleich zu den nicht fusionierten Gemeinden sogar schlechter entwickelte. Dies zeigt sich schließlich auch in der schwächeren Investitionstätigkeit der fusionierten Gemeinden. Wären die Fusionsgemeinden und Nicht-Fusionsgemeinden durch das Fördersystem gleich behandelt worden, hätten sich die Ergebnisse der Fusionsgemeinden hingegen verbessert.
Diese Auswertungen lassen die Schlussfolgerung zu, dass die Gemeindefusionen in der Steiermark durchaus in der Lage waren, die Sach- und in großen Gemeinden auch die Personalauszahlungen pro Kopf zu senken. Das Prinzip der Fixkostendegression durch größere „Produktionseinheiten“ scheint daher durchaus zu greifen. Dass sich der Saldo der operativen Gebarung in Summe in den Fusionsgemeinden trotzdem schlechter entwickelte, liegt hingegen an der Einnahmenseite, wo sich insbesondere die Transfers vom Land unterdurchschnittlich entwickelten. Insgesamt zeigt sich hier die zentrale Rolle des Transfersystems vom Land an die Gemeinden. Es bestehen in dieser ersten Analyse Entwicklungen bei den Förderungen, welche einer näheren Analyse unterzogen werden sollten.
Anmerkung: Dargestellt sind Transfers von Trägern des öffentlichen Rechts. Hier sind von den Ländern an Gemeinden weitergegebene Bundesmittel sowie das kommunale Investitionsprogramm mitumfasst.
Weiterer Analysebedarf
Insgesamt gibt diese erste Kurzanalyse zu den Gemeindefusionen in der Steiermark einen ersten Einblick. Es sind jedoch auch einige Fragen offen geblieben, welche im Rahmen von vertiefenden Analysen betrachtet werden sollten. Insbesondere ist auf Basis der Kurzanalyse keine klare Antwort möglich, wie hoch das Einsparpotenzial durch Gemeindefusionen tatsächlich ist. Hier würde es näherer Untersuchungen bedürfen, welche auch unterschiedliche Rahmenbedingungen der Gemeinden wie etwa Gemeindegröße, demografische Entwicklung oder Finanzkraft der Gemeinden berücksichtigen. Eine Aufschlüsselung nach Aufgabenfeldern könnte die Effekte genau lokalisieren.
Ebenfalls von Bedeutung ist bei einer weitergehenden Analyse, auch Leistungsdaten einzubeziehen, um auch Anpassungen in der Gemeindeinfrastruktur und -dienstleistungen zu berücksichtigen. So stellt sich etwa die Frage, ob es durch Gemeindefusionen auch zu Qualitätsverbesserungen gekommen ist (z.B. längere Öffnungszeiten in der Kinderbetreuung). Relevant ist auch die Frage, inwieweit es nach der Fusion zu einer Optimierung der Aufgabenerbringung gekommen ist oder ob die bisherigen Strukturen beibehalten wurden.