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Future Skills - Die neue Währung guter Führungsarbeit 4.0.

Unsere Arbeitswelt hat sich radikal verändert. Der Wandel wird zum ständigen Begleiter und die Geschwindigkeit und Komplexität der Veränderungen nehmen zu. Die VUCA1-Welt ist geprägt von Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Das bedeutet auch für Organisationen einen radikalen Wandel hinsichtlich Führung und Kultur. Ein Forschungsprojekt untermauert den alten Spruch: Menschen verlassen Manager*innen, nicht Unternehmen. 57 Prozent der Mitarbeiter*innen haben ihren Job wegen ihres/ihrer Vorgesetzten aufgegeben (DDI 2022).

Führungsmethoden- und strategien, wie wir sie unter den Schlagwörtern wertorientierte Führung, Servant Leadership oder transformationaler Führung kennen, sind situationsbezogen, mitarbeiterfokussiert sowie motivationsfördernd ausgerichtet und nicht ganz neu. Neu daran ist, dass die Digitalisierung in Organisationen jeglicher Art radikale Veränderungen mit sich bringt und Führungskräfte ihre Führungsmethoden und Haltungen rasch anpassen müssen. Es bedarf also einer stark kooperativen Haltung, einer Vertrauenskultur und empathischer Führungskräfte sowie eines neuen Wir-Gefühls (Premantier 2019, S. 16ff).

Woran fehlt es den Führungskräften?

Im Rahmen der Studie „Alpha-Collaboration – Führung im Umbruch: Perspektiven für die Zusammenarbeit der Zukunft“ wurden 482 Führungskräfte befragt, welche in drei Bereichen große Entwicklungsbedarfe orten: hinsichtlich ihrer kommunikativen Fähigkeiten und ihrer Fähigkeit, zu ihren Mitarbeitenden tragfähige Beziehungen aufzubauen – nämlich Beziehungsmanagement (44 Prozent), Kommunikation und Motivation (41 Prozent) und Teamführung (27 Prozent) (Haufe 2022).

Es ist unbestritten, dass das Führen von Organisationen und ihren Mitarbeitenden nicht nur in Zeiten wie diesen eine hohe Komplexität aufweist. Es reicht nicht mehr aus nur zu managen! Statt Manager*innen braucht es wahre Leader, eine neue Generation von Führungskräften. Moderne, charismatische Leader mit visionärem Denken brauchen Skills und eine innere Haltung, die sie zukunftsfit machen (Fischer 2019, S. 92ff). Da sich die Arbeitswelt mit rapider Geschwindigkeit kontinuierlich ändert, braucht es auch eine Änderungs- und Anpassungsbereitschaft einhergehend mit hoher Flexibilität, Risikobereitschaft, Verantwortungsbewusstsein und Durchhaltevermögen. Ein ebenso nicht zu unterschätzendes Muss in der Führungsarbeit ist die Kommunikationskompetenz. „Man kann nicht nicht kommunizieren“, lautet eine der fünf Grundregeln menschlicher Kommunikation von Paul Watzlawick (1921–2007). Die neue Zusammenarbeit von Teams wird flexibler, offener und transparenter. Hierfür sind eine menschliche und wertschätzende Kommunikation ebenso wie auch eine Konfliktlösungskompetenz gefragt.

Mitarbeitende wollen als Menschen wahrgenommen werden (Grewe & Stienen 2021, S. 201ff). Gerald Hüther meint hierzu: „Das zutiefst Menschliche in uns zu entdecken ist
zentrale Aufgabe des 21. Jahrhunderts“ (Spiegel 2021, S. 15). „Liebevoll zu sein im Umgang mit sich selbst, mit anderen Menschen und mit anderen Lebewesen ist die wichtigste Fähigkeit, die wir brauchen, um unsere Zukunft menschlich, lebendig und nachhaltig zu gestalten“ (Hüther & Heinrich 2021, S. 36ff).

Empathie als Grundzutat des Miteinanders macht Führungskräfte menschlich. Die Fähigkeit, sich in sein Gegenüber einfühlen zu können und sich gedanklich hineinzuversetzen, schafft die Basis für gelingende Beziehungen. Denn Fakt ist, Führungsarbeit ist Beziehungsarbeit. In einer guten Beziehung fühlen sich Mitarbeitende verbunden sowie vertraut, wertgeschätzt und anerkannt. Empathie hilft, engere Beziehungen zu schließen und mit anderen zusammenzuarbeiten, um Probleme zu lösen. Die komplexen Aufgaben und Herausforderungen in der heutigen Arbeitswelt, wie auch gesellschaftlicher Natur können unmöglich von einigen wenigen gelöst werden. Im Gegenteil, es braucht eine gemeinsame Wertebasis und ein gesundes Gefühl an Selbstwirksamkeit, um gemeinsam aktiv werden zu können.

Ohne die Fähigkeit von Empathie lassen sich andere Fähigkeiten wie zum Beispiel die Fähigkeit zur Selbstreflexion, Anpassungsfähigkeit, das Aushalten von Unsicherheit und
Krisen nicht entfalten. Doch gerade diese Kompetenzen brauchen Führungskräfte dringender denn je, in einer sich rasch ändernden und hochkomplexen Arbeitswelt geprägt
von digitalem Wandel, Fachkräftemangel, Wirtschaftskrisen uvm. (Haverkamp & Peter 2021, S. 106ff).

"Moderne Organisationen brauchen dringend digitale Zukunftsgestalter."

Digitale Souveränität in der Arbeitswelt 4.0

Nicht zuletzt durch die weltweite Corona-Pandemie wurde deutlich sichtbar, dass es in Organisationen an vielen Stellen an digitaler Souveränität fehlt. Laut einer Umfrage (Gilroy 2020) fühlen sich nur 30 Prozent der Deutschen im Umgang mit digitaler Technologie sehr sicher. 73 Prozent der Befragten sind lernbereit im Bereich digitaler Grundkompetenzen, wie Internetrecherchen, dem sicheren Umgang mit digitalen Anwendungen oder Fähigkeiten zur virtuellen Zusammenarbeit (Meyer-Guckel & Ternes von Hattburg 2021, 98ff).

Betriebliche Maßnahmen zur Förderung dieser Schlüsselkompetenzen durch digitales Lernen und Kollaboration sind ein Muss, um die digitale Arbeitswelt besser zu verstehen und in den Arbeits(all)tag zu integrieren. In modernen und auf die Zukunft ausgerichteten Organisationen braucht es dringend digitale Zukunftsgestalter*innen! Hierbei müssen Führungskräfte als Vorbilder vorangehen und Leadership-Konzepte neu gedacht werden. Agiles, skalierbares und netzwerkbasiertes Führungsverhalten sowie kooperatives Arbeiten in neuen und angepassten Arbeitsumgebungen lösen starre Arbeitsprozesse durch die zeitliche und örtliche Vernetzung der Mitarbeitenden sowie gewünschte Unabhängigkeit ab. Distance Leadership, virtuelle Kommunikation und digitale Medienkompetenz sind Grundfertigkeiten, die jede erfolgreiche Führungskraft im digitalen Zeitalter souverän beherrschen muss.

Menschen folgen nur dann, wenn man als Leader mutig den ersten Schritt wagt und voran geht und auch die Mitarbeitenden rechtzeitig einbindet. Dies alles muss auch in der Unternehmenskultur, wie auch einer neuen Kultur des Lernens eingebettet sein. Hier kommt auch die Personalverwaltung (HR) ins Spiel, um Konzepte zu entwickeln. Es geht insbesondere auch darum, die junge Generation der digital natives mit der älteren und erfahrenen Generation zu verbinden und zu vernetzen. Führungskräfte sind also heute
mehr gefordert denn je. Der Erfolg von Organisationen ist maßgeblich von ihren zur Verfügung stehenden Ressourcen abhängig. Es liegt also auf der Hand, die Führungskräfte
wie auch ihre Mitarbeitenden zu motivieren in ihre eigenen zukunftsfähigen Skills zu investieren, um den Herausforderungen von morgen souverän zu begegnen.

 

1 VUCA: volatile, uncertain, complex, ambiguous

LITERATURNACHWEIS
DDI. (2022). Frontline Leader Project. https://www.ddiworld.com/research/frontlineleader-project#reasons-for-l…. Zugegriffen: 06. April 2022.
Fischer, K. (2019). Führung. Digitales Mi(e)nenfeld. S. 92-95. In Buchenau, P. (2019). Chefsache Zukunft. Was Führungskräfte von morgen brauchen. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019.
Gilroy, P. (2020). Fähigkeiten für die digitale Welt – Engagement als Chance. Berlin: ZiviZ im Stifterverband. Print.
Grewe, T., Stienen, Chr. (2021). Gegen den blinden Fleck in der Führung. S. 201-205. In Collard, J., Schnitzler, S. (2021). Rethinking HR – 32 Impulse für innovative Personalarbeit. Freiburg: Haufe-Lexware GmbH & Co. KG.
Haufe. (2022). Das fehlt Führungskräften für die Post-Corona-Zeit. https://www.haufe.de/personal/hr-management/studie-fuehrung-im-umbruch_…. Zugegriffen: 04. April 2022.
Haverkamp, L., Peter, Ch. (2021). Empathie. S. 106-113. In Spiegel u.a. (2021). Future Skills. 30 zukunftsentscheidende Kompetenzen und wie wir sie lernen können. München: Verlag Franz Vahlen GmbH.
Hüther, G., Heinrich, M. (2021). Loving Kindness. S. 36-41. In Spiegel u.a. (2021). Future Skills. 30 zukunftsentscheidende Kompetenzen und wie wir sie lernen können. München: Verlag Franz Vahlen GmbH.
Meyer-Guckel, V., Ternes von Hattburg, A. (2021). Digitale Souveränität. S. 98-105. In Spiegel u.a. (2021). Future Skills. 30 zukunftsentscheidende Kompetenzen und wie wir sie lernen können. München: Verlag Franz Vahlen GmbH.
Permantier, M. (2019). Führung und Kultur im Wandel. S. 16-23. In Permantier, M. (2019). Haltung entscheidet. München: Verlag Franz Vahlen GmbH.
Spiegel, P. (2021). Future Skills – Die neue Dimension von Lernen. S. 15. In Spiegel u.a. (2021). Future Skills. 30 zukunftsentscheidende Kompetenzen und wie wir sie lernen können. München: Verlag Franz Vahlen GmbH.

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